Rennsteig: Vorbei am grossen Inselsberg zwischen Harz und Rhön

Der Rennsteig ist der älteste und meistbegangene Weitwanderweg Deutschlands. Er führt über 169 km Länge über den Kamm des Thüringer Waldes. Er beginnt in Hörschel an der Werra – nahe Eisenach. Er endet in Blankenstein an der Saale…

Man kann ihn in sechs Etappen zu Fuß erwandern oder auch mit dem Fahrrad bewältigen. Einfacher ist es sicherlich mit dem Fahrrad, da wiegt das Gepäck viel weniger. Auch muss man nicht unbedingt beim „Beginn“ an der tiefsten Stelle starten. Es ist viel bequemer, die größten Anstiege mit der Bahn zu „bewältigen“. Der höchste Bahnhof liegt in Neuhaus auf 840m, weitere sind in Steinbach (620m) und Oberhof.

In Oberhof muss man sein Rad allerdings vom Bahnhof zum Ort 200 Höhenmeter steil hinauf schieben, im kühlen Wald auf asphaltiertem Weg aber kein großes Problem. So kann man zweimal mit der Bahn nach Oberhof fahren, und am Ende hat man in 5 bis 6 Tagen den ganzen Rennsteig bewältigt.

Er ist immer gut markiert. Es gibt einen extra für Fahrräder markierten Weg, der aber oft nicht so interessant und abwechslungsreich ist. Auch der Wanderweg ist oft für Fahrräder geeignet. Allerdings sind Wanderwege direkt neben Autostraßen erfahrungsgemäß weniger für Räder geeignet, hier bietet sich die Autostraße an; der Autoverkehr stört wenig.

6 Etappen durch den Rennsteig

1. Etappe: Hörschel (200m) – Großer Inselsberg (916m) 33 km

In Hörschel bei Eisenach steht der Hinweis „Rennsteigbeginn“. Hat man noch nicht genug Gepäck, so kann man sich gerne an einem Kasten voller Steine bedienen und einen Stein über 169km „nach altem Brauch“ zur Saale schleppen. Diese Etappe ist sehr anstrengend, auch weil es hier unterwegs keine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Als Abkürzung bietet sich an, in Eisenach zu starten und durch die Drachenschlucht zum Rennsteig zu gelangen. Zum Inselsberg führt der Weg immer stärker bergauf. Oben ist – wenn man Glück hat – eine prächtige Fernsicht vom Harz bis zur Rhön. Früher verlief hier oben eine Landesgrenze, deshalb gibt es 2 Gaststätten. Übernachten kann man etwas weiter unterhalb am Osthang im Hotel Kleiner Inselsberg oder der Pension Zur Wetterwarte.

2. Etappe: Großer Inselsberg – Oberhof (800m) 31km

Ganz allmählich wird der Kamm des Thüringer Waldes breiter. Am Heuberghaus nach 4km und auf der Ebertswiese nach weiteren 6km kann man übernachten, dann aber erst wieder in Oberhof. Der Wechsel von Wald und Wiese (Fernsicht) ist immer wieder schön. An der Ebertswiese darf man nicht den kleinen Abstecher nach rechts zum idyllischen Bergsee verpassen. Wo sonst gibt es schon einen Badesee auf dem Gebirgskamm? In der Nähe überquert der Kammweg den einzigen Bach auf der gesamten Rennsteiglänge. Einige km vor Oberhof sollte man den Donnershauk, einen Gipfel rechts des Weges nicht auslassen. Herrliche Landschaft und Aussicht!

3. Etappe: Oberhof – Neustadt (790m) 25km

Der erste und bekannteste Ort auf dem Kamm ist Oberhof. Der Ort liegt etwas links vom Rennsteig. Man passiert dann das Rondell, einen Obelisken. Ganz in der Nähe lohnt der berühmte Rennsteiggarten einen Besuch. Nun sind noch geringe Steigungen zu den höchsten Gipfeln zu überwinden. Plänkners Aussicht am großen Beerberg (982m) bietet einen großartigen Blick auf Suhl.

Neuerdings ist der Beerberg nicht mehr der höchste Berg Thüringens, sondern der Schneekopf. Aus Ärger darüber dass nur die benachbarten Länder Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt über Tausender verfügen hat man den Schneekopf kurzerhand um 22m „erhöht“. Wozu die Thüringer nicht alles Geld haben … Aber Spott beiseite: Es ist ein schöner Aussichtsberg mit Bänken – allerdings 1200m links abseits des Rennsteigs.
Es folgt das Waldhotel Schmücke, dann geht es längere Zeit bergab zur Kreuzung mit der B4. Danach ist links vom Rennsteig das Waldhotel Rennsteighöhe. Ein weiterer Übernachtungsort wäre Frauenwald rechts abseits des Rennsteigs. Später folgt Neustadt. Kurz vor Neustadt bietet sich links ein kleiner Abstecher zu einer Köhlerhütte an, wo früher Holzkohle gewonnen wurde. Auch ein Schwimmbad ist nicht zu verachten.

4. Etappe: Neustadt – Neuhaus (840m) 30 km

Der Ort auf dem Kamm ist nach 9km Masserberg. Kurz vorher lohnt ein Abstecher zum Langert-felsen. Hinter Masserberg liegt die schön eingefasste Werraquelle – auch wenn in Nachbarorten behauptet wird, es sei „nicht die richtige Werraquelle“. Schön liegt der kleine Ort Friedrichshöhe mit der Pension zum Rennsteig. Bald darauf folgt der Dreistromstein. Hier treffen sich die Einzugsgebie-te von Rhein (Main), Weser (Werra) und Elbe (Saale). Vor Neuhaus geht es noch mal steiler hinauf zur größten Stadt am Rennsteig.

5. Etappe: Neuhaus – Steinbach (620m) 22 km

Nach 6km endet der zu DDR-Zeiten begehbare Rennsteig (Beginn war damals in Eisenach). Man passiert dann – im ehemaligen Sperrgebiet! – ein ehemaliges Stasi – „Erholungsheim“, wohin sich die Täter von einst zurückzogen – „gut geschützt“ vor der eigenen Bevölkerung. Nun geht es bergab. Man passiert dreimal die ehemalige Demarkationslinie – immer noch sichtbar an den Betonplatten des „Kolonnenwegs“. Dann ist man im nördlichsten Zipfel Bayerns angekommen und gelangt meist bergab schnell nach Steinbach an der ICE-Strecke Berlin-München.

6. Etappe: Steinbach am Wald – Blankenstein (410m) 28 km

Nun geht es zunächst noch einmal etwas steiler hinauf, später passiert man immer wieder die Landesgrenze Thüringen/Bayern – sichtbar an alten Grenzsteinen und dem „Kolonnenweg“. Man passiert Grumbach, und dann geht es immer steiler bergab. Gerade hier muss man noch mal gut aufpassen, dass man nicht zu früh nach unten abbiegt. Dann wäre man zwar schnell „unten“, aber nicht am richtigen Ziel in Blankenstein. Dort führt ein Brückchen über die Selbitz nach Bayern, und wer noch nicht genug gewandert ist, der findet sofort auf dem Frankenweg eine Fortsetzung.

Artikelbild: Jan Thomas Otte

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