Bregenzerwald: Willkommen im Schneereich für Wintersportler

Zwischen Bodensee und Arlbergpass ist er eingebettet, der Bregenzerwald. Wer dabei lediglich an grüne Hügelchen in den Voralpen denkt, irrt jedoch. Unter der Flanke der Damülser Mittagsspitze finden Ski-Fans und Sknowboard-Begeisterte eine der schneereichsten Regionen Europas. Bericht eines Zwischenstopps…

Von der Bodensee-Autobahn gibt es zwei Wege hinauf in die Täler des Bregenzerwaldes: Entweder man fährt über das Bödele, einen rund 1.000 Meter hohen Pass mit Blicken weit hinaus ins benachbarte Allgäu. Wem das zu viel Kurverei ist, nimmt den neuen Tunnel auf der Bundesstrasse 200.

Noch nicht heiss auf die erste Abfahrt dieser Saison? Solche, die lieber nach dem Mittagessen ein paar Schritte zu Fuss oder per Schneeschuh machen, gönnen sich ein Mittagessen in einem der Restaurants in der Region. So bietet zum Beispiel das Gasthof Adler in Schwarzenberg nicht nur Hüttenromantik und Essensunterlage mit ins Holz geschnitzten Liebesbriefen auf einem überhundertjährigen Älplertisch sondern auch leichte und leckere Küche, die weit über die Grenzen des Bregenzerwaldes hinausgeht, wie das Zitronen-Garnelen-Risotto samt Beilagensalat zum Almdudler.

Pistenbericht: In die Gondel, auf Board und Bretter

Es ist die erste Fahrt des Jahres auf Tourenski, zumindest den Berg hinauf, im Aufstieg. Zur Abfahrt nehmen Thomas Dietrich und ich allerdings die Pisten vom Schneereich Damüls, Mellau und Faschina. Thomas arbeitet im Bregenzerwald, zwischen Bodensee und Arlbergpass als selbstständiger Bergführer, Skilehrer, Schlosser und Halter von zwanzig Milchziegen.

Soviel noch vorab: Das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. War davor die Tage vor Weihnachten noch Bilderbuchwetter, die Pistenbetreiber trotzten ihm mit Schneekanonen. Wir trotzen dem Nebel mit einem Zwiebelsystem an Funktionswäsche und sind trotzdem unterwegs. Viel los ist nicht an den Liften, für einen Skitag mit Privatlehrer optimal, für den Familienausflug dagegen grauenhaft.

Los gehts mit der Gondel ab Mellau, von der Rossstelle weiter hinauf mit der Gipfelbahn durch dichten Nebel – leider wird nix aus dem Traum über den Wolken des Bodenseeraums, sonst hier möglich mit bestem Alpenpanorama, versichert Skilehrer Thomas. Von hier aus geht es hoch und runter, erst einige blaue Pisten zum „Einschwingen“, dann die Roten… Und eine Schwarze!

Ohne es zu merken – durch Nebel und Brille sahen die Schilder aus wie blau, was spätestens mit der rasanten Abfahrt im Steilhang nicht mehr sein konnte. „Give me five“, ruft der 40jährige Lehrer und klatscht. Er hätte ein gutes Gefühl sagt er. Ich habe vor rund einem Jahr meine erste Abfahrt gemacht, bin 30 Jahre alt und komme aus dem flachen Norden.

Trainieren mit dem Ex-Tiefschnee-Weltmeister

Thomas ist Skijunkie, abgelichtet auf dem Skipass der Region vor strahlend blauem Himmel, vor seiner Abfahrt abseits der Piste, dem sogenannten Freeriding. Mit vier Jahren stand er das erste Mal auf Brettern, sein Sohn mit drei. Und er erinnert sich an ein Erlebnis vor rund 30 Jahren: Er fuhr im Winter täglich mit Ski zur Schule – und bog ab, auf die Piste.

So trainierte Thomas, das Multitalent, von Jugend an für seinen Titel als Tiefschnee-Weltmeister. Der kam aber erst nach seinem Schulabschluss, denn seine Eltern lasen nach seinen damaligen Trainingseinheiten rund zwei Wochen später einen Brief vom Rektor, dass er unentschuldigt fehle. Sch(l)uss mit lustig, Im Smartphone-Zeitalter wäre so etwas undenkbar…

Statt Apres-Ski: Wellness für die Sinne

Müde, etwas Entspannung gewünscht? In Bezau könnte das erste Fünf-Sterne-Hotel des Bregenzer Waldes stehen. Doch die Hoteliers Ellen Nenning und Andreas Mennel wollen lieber ein erstklassiges Vier-Sterne-Superior-Haus bleiben. Sie haben das Gams in jungen Jahren übernommen, reisten dennoch (oder gerade deswegen) um die Welt um sich in anderen Wellness-Destinationen Inspiration für die eigenen vier Wände inklusive diverser Anbauten und einem SPA auf rund 2.000 Quadratmetern zu holen.

Das Produkt des Hotels ist klar zu seinen Wettbewerbern abgegrenzt und bei Gästen im Umkreis von 400 Kilometern, ein paar Stunden Autofahrt beliebt: Kuschel-Kurz-Urlaub für Paare. Mit ungewohntem Kitsch, Glanz und Gloria. Man muss Purpur-Ohrensessel nicht mögen, schon gar nicht diese zu Hause ins Wohnzimmer stellen – in Bezau passen sie aber in den Traum von 1.001 Nacht.

Hinweis der Redaktion: Diese Recherche wurde freundlicherweise durch den Tourismusverband Bregenzer Wald mit Übernahme einer Übernachtung, Skipass/Equipment und Lehrer unterstützt. Dankeschön!

Artikelbild: © Adolf Bereuter/ Bregenzerwald Tourismus

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