Wesergebirge: Wandern am Nordrand des Mittelgebirges

Die Wanderung beginnt an der Porta Westfalica unmittelbar am gleichnamigen Bahnhof. Ohne Umsteigen kann man von Düsseldorf, Braunschweig oder Rheine anreisen. Preisgünstig ist der Zug, denn NRW- oder Niedersachsenticket gelten beide bis hier – gleich ob man aus Aachen oder Hamburg anreist…

Unmittelbar an der Weser steigt man aus dem Zug und sieht sofort am anderen Ufer das 1896 fertig gestellte Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Dort beginnt das Wiehengebirge.

Das Ziel aber ist heute das Wesergebirge auf der Ostseite der Porta Westfalica. Dazu müssen wir nur die stark befahrene Bundesstraße vor dem Bahnhof überqueren (Vorsicht), einige Treppen hoch und schon sind wir mitten drin in der Natur. Der Verkehrslärm hört dann auch langsam auf.

Weserwanderweg – auch fürs Mountainbike geeignet

Das Wesergebirge ist ein Schichtkamm, das heißt dass die Nordseite nicht so steil wie die Südseite ist. Auf der Südseite führt auf etwa zwei Drittel Höhe der Hauptweg entlang. Er ist mit einem Kreuz und einem kleinen „W“ (Weserwanderweg) gekennzeichnet. Er ist oft keinesfalls eben, aber er hat auch keine längeren steilen Abschnitte. Deshalb ist er mit dem Mountainbike durchaus gut befahrbar.

Der Hauptweg ist jedoch wenig abwechslungsreich. Er führt fast immer durch geschlossenen Wald. Länger und anstrengungsreicher ist die „Mitnahme“ von Gipfeln auf der linken Seite. Das ist aussichtsreicher und deutlich abwechslungsreicher.

Der erste Gipfel ist der Jakobsberg (235m). An seiner Westseite ist die Portakanzel mit herrlicher Aussicht auf Weser und Wiehengebirge. Auf dem Kammweg folgt eine Aussichtskanzel, dann der Fernsehturm. Die Aussichtskanzel des Fernsehturms ist nur in der warmen Jahreszeit an Wochenenden geöffnet; es bietet sich eine atemberaubende Aussicht!

Die folgenden Gipfel haben gemeinsam, dass man nach der Überschreitung leicht zu weit nach Norden geht, also aufpassen. Der Rote Brink ist der nächste Gipfel. Passt man auf, findet man oben die Wallanlage eines Germanenlagers. Am Ostende dieses Berges zweigt auch der Hauptweg rechts ab (aufpassen!).

Norddeutsche Tiefebene zu Füßen

Der folgende Doppelgipfel sind die Nammer Klippen. Der Kammweg ist abwechslungsreich, aber Vorsicht mit Kindern! Der Ostgipfel bietet Aussicht nach Süden. Es folgt die Wülpker Egge. Dieser Dreiergipfel bietet sehr schöne Aussicht nach Norden in die Norddeutsche Tiefebene: von den Stemweder Bergen bei Osnabrück bis zur Kalihalde nahe des Steinhuder Meers kurz vor Hannover. Am Nordosthang der Wülpker Egge liegt das Besucherbergwerk Kleinenbremen mit Museum und Einfahrt unter Tage; Tel. 05722 / 90223. In der Nebensaison muss man sich unbedingt anmelden.

Der Hauptweg überquert in Höhe von Kleinenbremen erstmals eine Autostraße. Die Gaststätte „Da Vito“ – die erste am Weg nach 10 km – lädt hier zur Stärkung ein. Ist man schon völlig erschöpft, so ist hier auch die Bushaltestelle „Wanderersruh“, und man fährt nach Bückeburg oder Rinteln zum Bahnhof. Mit den Ländertickets kostet die Rückfahrt mit dem Zug am gleichen Tag keinen Aufpreis.

Die nächste Übernachtungsmöglichkeit ist keine 2 km entfernt: EZ ÜF 35-38 €. Hotel & Café Waltraut, Zum Waldwinkel 7, Todenmann Tel. 05751 / 76870, ideal für Naturliebhaber und südlich des Hauptwegs am Waldrand gelegen.

„Fuchssteig“ zwischen den Bundesländern

Hat man noch genügend Kraft in den Beinen, so sollte der Papenbrink (301m) als nächster Gipfel nicht ausgelassen werden. Es ist der höchste Punkt der Stadt Porta Westfalica. Dazu geht man von Wanderersruh weiter auf dem Hauptweg Richtung Steinbergen. Nach 1km zweigt links der „Fuchssteig“ ab, schwer zu finden und Trittsicherheit erforderlich. Oder an geht auf dem Hauptweg bis vor die A2-Brücke und hält sich dann links.

Oben stehen alte Grenzsteine und -säulen. Noch heute ist hier die Landesgrenze NRW – Niedersachsen. Ein schöner Blick geht nach Westen – auf den viel niedrigeren Fernsehturm. Zum Hotel Waltraud überquert man die erwähnte A2-Brücke und steigt dann steil nach Süden ab.

Übernachtungsmöglichkeit am Beginn der Tour: Pension „Zum Angestellten“, Hauptstr. 37, PW-Hausberge EZ ÜF 32 € nahe Bahnhof Porta Westfalica.

Tag 2 – von Rinteln zur Schaumburg

Man steigt steil nach Norden hoch, bis man den Wesergebirgshauptweg erreicht hat, markiert mit Kreuz und kleinem „W“. Dieser führt mit leichtem Auf und Ab weiter nach Osten. Nach 2 km liegt rechts auf einem Vorberg eine alte Hünenburg. Erhalten sind die Grundmauern einer kleinen Höhenburg mit Vorburg, Ringmauer, Burgkapelle und Wohnburg.

Nach einem weiteren km lohnt links der Anstieg auf zum Klippenturm mit Gaststätte. Herrliche Aussicht in alle Richtungen ist die Mühe allemal wert. Am Osthang Felsen (Vorsicht!), aber dennoch bald rechts halten und zurück zum Hauptweg. Es folgt die kleinere Hirschkuppe, und dann folgt nach insgesamt 6 km der Steinberger Pass. Hier gibt es Hotels, die weder vom Preis noch mit der Lage von Hotel Waltraud mithalten können.

Dennoch zwei Beispiele: Berghotel, Rintelner Str. 9, Steinbergen, Tel. 05751 / 5480, an Durchgangsstraße! Steinberger Hof, Hamelner Str. 21, Steinbergen, Tel. 05751 / 9770, noch mehr Verkehr, noch teurer! Nördlich von Steinbergen ist die Erlebniswelt Steinzeichen, der Eintritt ist mit 9,50 € recht teuer, den Aussichtsturm sieht man schon von weitem. Ungleich billiger ist der erwähnte Klippenturm.

Mini-Trip ins Mittelalter

Ansonsten führt der Hauptweg schnell vom verkehrsreichen Steinbergen weg und weiter nach Osten. Die Gipfel liegen auch weiterhin stets links vom Hauptweg. Der Messingsberg ist 2004 abgerutscht als Folge des Steinbruchbetriebs auf der Nordwestseite, aber man muss ihn ja nicht betreten. Man überquert zwei Passstraßen. Anschließend lohnt der Oberberg den kurzen Anstieg auf dem Kammweg.

Nun nähert man sich der Schaumburg. Unterkunft bietet die Pension Hartmann, Höhenweg 7, kurz vor der Burg, Tel. 05152 / 527557. Die Schaumburg ist eine der sehenswertesten Burgen der ganzen Region und hat dem Landkreis seinen Namen gegeben. Sie thront auf einem Vorberg in 225 m Höhe an der Südseite des Hauptwegs. Vorburg, Hauptburg und Bergfried lohnen den Besuch.

Auf dem Kammweg oberhalb liegt die Aussichtsgaststätte Paschenburg; ebenfalls sehr schöne Aussicht nach Süden über die Weser auf die Lipper Berge. Eine weitere Unterkunftsmöglichkeit bietet nach weitere 2 km die Weinschänke Rohdental, Rohdentalstr. 20, Hess. Oldendorf 05152 / 94120 ÜF 40 € (Internet).

Artikelbild: Jan Thomas Otte

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